EMS – Training, ist das Sport?

Gastautor —  4. Juni 2014

Der Gastautor des folgenden Artikels ist Christian Guzien aus Hannover, Inhaber der Forming Lounge®.

Viel Spaß beim Lesen!

Gestern erhielt ich eine E-Mail von einer guten Freundin in der folgendes stand: „Hallo Christian, leider habe ich eine schlechte Nachricht für Dich, alle drei meiner Vorschläge zu meiner Bachelorarbeit in der es um EMS Training gehen soll, wurden leider abgelehnt. Die Professoren begründeten dies mit der Aussage das EMS Training kein Sport sei.“
Nun, normalerweise verfahre ich bei solchen Aussagen nach dem Grundprinzip: Diskutiere nie mit Idioten. Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau herunter und schlagen dich dort mit ihrer Erfahrung.
Allerdings verspüre ich als Personal Trainer für EMS, System Anbieter eines EMS Konzeptes und gleichzeitiger Gerätehersteller ein Maß an Verantwortung um mich dieser Aussage einmal konkret anzunehmen.
Lassen wir einmal die Fragestellung außen vor ob dieser Personenkreis sich jemals auch nur ansatzweise mit der Thematik eines solchen Trainings beschäftigt hat, geschweige denn ein solches Training einmal am eigenen Leibe ausprobiert hat.
Stellen wir uns vielmehr einmal die Frage was mit Betätigungen aussieht wie zum Beispiel Dart werfen, Schach oder meiner absoluten Lieblingsdisziplin Curling, die ja immerhin eine olympische SPORTART darstellt. Sollte sich das olympische Komitee derart geirrt haben, in dem es eine Betätigung wie Curling als Sport in die Olympischen Spiele aufnimmt, die wohlmöglich gar keine Sportart ist?
Um der Sache weiter auf den Grund zu gehen, bedienen wir uns doch einfach der Sportwissenschaft.
Bei leichter Suche werden wir fündig und stoßen auf die Begriffe der so genannten sportmotorischen Fähigkeiten. Hier gibt es fünf Merkmale die diese Fähigkeiten beschreiben:
1. Kraft
2. Ausdauer
3. Schnelligkeit
4. Flexibilität
5. Koordination
Als Ableitung könnte man also formulieren wenn eine Betätigung einen Großteil dieser fünf sportmotorischen Fähigkeiten erfüllt, könnte man diese Betätigung als Sport bezeichnen.
Schauen wir uns also die fünf Punkten in Bezug auf die EMS Training einmal an:

1. Kann ich mit EMS Training Kraft aufbauen ?

Kraft bezeichnet per Definition die Fähigkeit Widerstände durch Muskelkontraktionen zu überwinden, ihnen entgegenzuwirken oder Sie zu halten. Sowohl im statischen, als auch im dynamischen EMS Training findet dieser Aspekt Anwendung. Mit steigendem Impuls durch das Training und gleichzeitiger Fähigkeit eine Bewegung auszuführen oder die Körperposition zu halten lassen sich also Rückschlüsse auf Kraftaufbau ziehen. Außerdem wird dies auch in diversen Studien der Universität Bayreuth (Boeckh-Behrens) belegt. Beantworten wir die erste Frage mit einem klaren Ja.

2. Kann ich mit EMS Training Ausdauer trainieren ?

Der Begriff Ausdauer wird definiert als die Fähigkeit einer spezifischen Belastung sowohl physisch als auch psychisch über einen längeren Zeitraum zu widerstehen. In weiteren Definitionen finden wir zum Beispiel den Begriff Kurzzeitausdauer der eine Zeitspanne von 20 Sekunden bis 2 Minuten definiert, die Mittelzeit Ausdauer von 2 Minuten bis 10 Minuten, und die Langzeit Ausdauer von 10 Minuten bis 35 Minuten. Bei einem 16-minütigen EMS Training finden wir also gleich drei Ausdauerformen die hier angesprochen werden. Beantworten wir also auch die zweite Frage mit einem klaren Ja.

3. Kann ich mit EMS Training meine Schnelligkeit trainieren?

Schnelligkeit bezeichnet die Fähigkeit auf einen Reiz beziehungsweise auf ein Signal hin schnellstmöglich zu reagieren.
Hier liefert uns das EMS Training sogar einen entscheidenden Vorteil.
Durch den Ansatz der Elektroden direkt an der Muskulatur, ist dieses Training in der Lage den internen Signalweg des Körpers zu umgehen und den Muskel so schneller arbeiten zu lassen.
Haken wir also auch diese Fragestellung mit einem klaren Ja ab.

4. Kann ich mit EMS Training meine Flexibilität trainieren ?

Diese Frage ist wohl die am meisten diskutierte Frage überhaupt. Per Definition stellt Flexibilität die Fähigkeit da eine Bewegung über den größtmöglichen Radius ausführen zu können. Was ist aber dieser Bewegungsradius ? Nun, der Radius oder die Range of Motion wird durch das Gelenk vorgegeben. Allerdings gibt es limitierende Faktoren, welche den Bewegungsradius einschränken. Hierzu zählen beispielsweise Verspannungen der umliegenden Muskulatur. Ohne jetzt zu tief in die Materie einer Verspannung einsteigen zu wollen, sei an dieser Stelle einfach nur gesagt das eine Verspannung einen Dauerimpuls vom Kopf darstellt, welcher den Muskel verhindert loszulassen. Durch den externen Impuls wird der Muskel zwar auch angespannt aber der Abbruch des externen Impulses stellt in der Rückkopplung zum Gehirn einen loslass Impuls dar, welcher den internen Impuls unterbricht. Dies in Verbindung mit einer gesteigerte Durchblutung durch das EMS Training vermag insofern auch Verspannungen zu lösen und zu einer höheren Flexibilität beizutragen.

5. Kann ich mit EMS Training meine Koordination trainieren?

Widmen wir uns bei der Beantwortung der letzten Frage der sportmotorischen Fähigkeiten zunächst einmal dem Unterschied der intra und intermuskulären Koordination. Die intramuskuläre Koordination beschreibt einfach ausgedrückt das Zusammenspiel der Muskelfasern innerhalb eines Muskels untereinander. Bei der intermuskulären Koordination geht es folglich um das Zusammenspiel mehrerer Muskeln bei einer komplexen Bewegung. Schauen wir uns zunächst einmal die intramuskuläre Koordination etwas genauer an: Bei einem normalen Training ist es so, dass ein gewisser Prozentsatz der Fasern eines Muskels die Hauptarbeit verrichten. Ermüden diese Fasern, springen nach und nach ausgeruhte und bisher inaktive Muskelfasern in diesem Prozess ein und so rotieren sich die Fasern innerhalb eines Muskels immer wieder neu durch bis alle Muskelfasern erschöpft sind und wir dies als Muskelermüdung wahrnehmen. Intramuskuläre Koordination beschreibt nun die Fähigkeit bei einer Bewegung so viele Muskelfasern wie möglich innerhalb eines Muskels gleichzeitig kontrahieren zu lassen und so größere Kraftanstrengungen bewältigen zu können. Der externe Trainingsimpuls beim EMS Training wirkt sofort auf den ganzen Muskel, so dass alle Fasern gleichzeitig kontrahieren müssen. Insofern stellt der reine Trainingsimpuls die Möglichkeit zur Verbesserung der intramuskulären Koordination da. Bei der intermuskulären Koordination spielen mehrere Muskeln einer Kette zusammen. Dies gelingt der Forming Boxx® durch den besonderen Stromfluss. Hierbei können auch Bewegungen, wie z.B. Kniebeugen oder Butterfly Bewegungen simuliert werden, um ganze Muskelketten zu trainieren.

Nachdem wir auch die Letzte der 5 sportmotorischen Fähigkeiten mit einem (doppelten) Ja beantwortet haben, kann ganz klar gesagt werden, daß das EMS Training das wohl kompletteste Training überhaupt darstellt.
Zahlreiche Studien belegen mittlerweile die Wirksamkeit im Bezug auf die Stärkung der Rückenmuskulatur, des Cardiovaskulären Systems und des Bindegewebes, was „Sportarten“ wie Schach, Dart oder Curling bisher nicht geschafft haben.
Vielleicht wäre manchmal eine genaue Kenntnis der Sache VOR einer Urteilsfällung doch hilfreich.

Wer sich also selbst ein Bild vom Sport EMS Training machen möchte, ist in der Forming Lounge® immer herzlich willkommen.
Herzlichst
Christian Guzien

Gastautor

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