Auf ein Wasser mit Christian Lindner

Nadine Klenke —  16. Februar 2015

Vergangenen Mittwoch hat Xing zum Spielraum Talk mit Christian Lindner und Lars Hinrichs (Xing Gründer) eingeladen. Grundlage des Talks war die „Wutrede“ von Christian Lindner im NRW Landtag.

Ich muss zugeben, ich war sehr gespannt, ob Herr Lindner diese Veranstaltungsplattform politisch nutzen würde (in Hamburg waren dieses Wochenende Bürgerschaftswahlen) oder ob es tatsächlich um die Gründerkultur in Deutschland ging.

Die Wutrede

Zur Einstimmung schaute ich mir vorab die Wutrede von Christian Lindner an und freute mich auf die Diskussionsrunde. Für alle, die diese Rede noch nicht kennen (Video), Christian Lindner äußerte sich im Landtag von NRW zum Unternehmertum und reagierte etwas aufgebracht auf einen Zwischenruf eines Abgeordneten. Der Zwischenruf des politischen Kollegen zeigte sehr gut, wie Unternehmer und Gründer in Deutschland zum Teil „beurteilt“ werden und wie ungerecht und unmotivierend zugleich diese Haltung der Gesellschaft auf Gründer ist.

Hintergrund Christian Lindner

Bevor Christian Lindner FDP-Vorsitzender wurde und sich hauptberuflich mit der Politik beschäftige, war er selbst Unternehmer. Eines seiner Unternehmen aus dem Bereich New Economy scheiterte. Dennoch würde er immer wieder gründen und das Risiko eingehen erneut zu scheitern.

Der Spielraum Talk

Spielraum TalkDen Spielraum Talk führten Christian Lindner und Lars Hinrichs gemeinsam. Beide waren entspannt und in kleiner Runde herrschte eine angenehme Stimmung. Zur Einleitung wurde die „Wutrede“ aus dem Landtag gezeigt und Christian Lindner sagte noch einmal ein paar Sätze hierzu. Ganz wichtig war ihm, dass es ihm nicht um sich selbst bei dem „Ausbruch“ ging, da er es als FDP Vorsitzender gewohnt sei, angegriffen zu werden. Ihm ging es darum, aufmerksam darauf zu machen, das Äußerungen wie die des Abgeordneten vielen Gründern den Mut nehme ihre Ideen und Visionen umzusetzen.

Selbstständigkeit bedeutet Endscheidungen treffen und dadurch Entwicklung

Christian Lindner und Lars Hinrichs bestätigen, jede Entscheidung, ob sie dann erfolgreich ist oder zum Misserfolg führt, bringt einen Unternehmer weiter und sorgt für Erfahrungen. Beide Gesprächspartner plädierten immer wieder dafür, sich selbstständig zu machen und den Mut zu beweisen, Verantwortung für sein Handeln und Tun zu übernehmen und sein Leben selbst zu bestimmen. Für mich waren diese 2 Stunden sehr motivierend, da es mich in meinen Ansichten und in meinem Handeln nur bestätigte. Wie sagte Lars Hinrichs so schön: „ Der Unternehmer an sich hat von Natur aus einen Gendefekt, sonst würden er das alles nicht machen!“ (natürlich mit einem Augenzwinkern)

Neid und Missgunst

Wir haben in Deutschland leider immer wieder Neider, die selbstständigen Unternehmern nicht immer den Erfolg und den Spaß bei der Arbeit gönnen. Hier auch die klare Botschaft der Gastgeber sich davon nicht abbringen zu lassen.

Ich bin auch Unternehmerin und berate viele Gründer und genau mit diesen Vorurteilen habe ich persönlich und auch meine Kunden immer wieder zu kämpfen! Jeder der einmal ein Unternehmer gegründet hat, kennt diese Sätze à la „Bist du sicher, dass das klappt?“, „Was machst du, wenn es nicht funktioniert?“ usw. Läuft das Unternehmen, ist es entweder Glück oder man hat gute Mitarbeiter, auf deren Kosten man erfolgreich ist. Funktioniert das Unternehmen nicht, war es ja ganz klar, dass das nicht klappen konnte.

Weitere Hürden, die Selbständige nehmen müssen, sind die Unterstützungen am Anfang. Aber auch dadurch sollte man sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen. Hier sieht Christian Lindner in unterschiedlichen Ansätzen, die von der Politik gemacht werden müssen, Potential um mehr für Unternehmer bzw. für Gründer zu tun.

Im Vergleich zum Ausland, wird es Gründern in Deutschland wiederrum sehr leicht gemacht eine Idee umzusetzen, da wir durch unser soziales Netz immer wieder gut aufgefangen werden. Wenn wir zum Beispiel in die USA schauen, ist dort eine Gründung mit sehr viel mehr Risiko verbunden. Dennoch ist es leichter dort zu gründen, denn wenn man scheitert, ist man sein Leben lang nicht als „Verlierer“ markiert, sondern macht einfach weiter. Diesbezüglich muss ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden und das hängt auch mit dem vermittelten Bild des Unternehmers zusammen, welches sehr früh schon in der Schule gelehrt wird.

Das Publikum stellt Fragen

In der Diskussion mit dem Publikum kamen Punkte auf, wie zum Beispiel die Arbeitsgesetze, die es klein- oder mittelständischen Unternehmern nicht immer ganz leicht machen können. Eine Kündigung zum falschen Zeitpunkt oder eine Klage vor dem Arbeitsgericht haben schon manch junges Unternehmen in die Insolvenz gebracht. Auch wurden die zwei Gastgeber nach Tipps und Tricks für eine Gründung gefragt und hier war die Antwort eindeutig; machen und nicht zu lange überlegen, weil dann die Idee alt sein kann.

Meet and greet

Selfie mit Christian LindnerNach Beendigung der Diskussion hatte ich noch die Gelegenheit Herrn Lindner persönlich zu sprechen und ein Selfie zu machen. Ich kann nur sagen, ein sehr sympathischer Mann, mit dem ich Lust hätte bei einem Abendessen das Thema Gründerkultur in Deutschland zu vertiefen und sicherlich auch noch etwas zur Politik zu lernen. Auch Lars Hinrichs empfinde ich als sehr angenehme Persönlichkeit, der in Deutschland bewiesen hat, dass Erfolg nicht nur amerikanisch ist.

Ich freue mich schon auf den nächsten Spielraum Talk von Xing mit bestimmt genauso interessanten Gästen.

Eure Nadine Klenke

Nadine Klenke

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